Intuitive Malerei hat nichts mit Können zu tun
und wenig mit dem, was gemeinhin unter Kunst verstanden wird.
Sie entsteht dort, wo der Anspruch, etwas „richtig“ zu machen,
für einen Moment zur Seite tritt.
Ohne Thema. Ohne Vorlage. Ohne Ziel.
Im intuitiven Malprozess geht es nicht darum, etwas darzustellen,
sondern darum, wahrzunehmen.
Linien, Farben und Flächen entstehen nicht aus einem Plan,
sondern aus dem Moment heraus.
Ich habe diesen Zugang über viele Jahre selbst erfahren.
In einer Zeit, in der mein bildnerischer Ausdruck noch stark
gegenständlich und impressionistisch geprägt war,
stand das Ergebnis im Vordergrund.
Heute interessiert mich etwas anderes:
der Raum, der entsteht, wenn Bewertung wegfällt.
Eine prägende Erfahrung war das gemeinsame Malen mit unserem Enkel.
Wir haben abwechselnd Linien, Farben und Flächen auf ein Bild gebracht –
ohne Absprache, ohne Korrektur.
Was dabei entstand, war mehr als ein Bild.
Es war Präsenz, Vertrauen und wachsende innere Stärke.
Auch für mich selbst hat sich durch das intuitive Malen etwas geöffnet.
Themen wurden sichtbar,
noch bevor ich sie gedacht oder benannt hätte.
Nicht als Analyse – sondern als Spur.
Intuitive Malerei ist keine Therapie
und kein Ersatz für Gespräche oder medizinische Begleitung.
Sie verspricht keine Heilung
und arbeitet nicht mit Deutung oder Interpretation.
Sie schafft einen Raum,
in dem innere Prozesse sichtbar werden dürfen –
ohne erklärt werden zu müssen.
Manche Menschen erleben dabei Ruhe.
Andere Klarheit.
Manche stoßen auf Widerstand oder Ungeduld.
All das ist Teil des Prozesses.
Die Malerei kann eigenständig stattfinden
oder in Verbindung mit Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungsräumen.
Was entsteht, ist nicht vorhersehbar
und nicht wiederholbar.
Wenn Sie sich von dieser Form des Arbeitens angesprochen fühlen,
geht es nicht um Teilnahme oder Leistung,
sondern um Begegnung.